Musik verbindet und schafft Brücken

"Rolli" und die Drehorgel

Mit der Drehorgel und mechanischen Musikinstrumenten verbinden mich früheste Kindheits-erinnerungen. Das jährliche Schützenfest und die dazugehörige Kirmes waren während der 50’er Jahre ein absolutes Highlight im Jahresablauf.

Fasziniert war ich insbesondere von „Schäfer’s Kirmesorgel“, die im Eingangsbereich des Riesenrades aufgestellt war und als Vorläufer der heutigen Musikanlagen das Publikum eines Fahrgeschäftes begrüßte.

So präsentiert sich die Kirmesorgel/Baujahr 1904 heute. Besitzer ist nach wie vor der Schausteller Hans Schäfer/Schwerte.

Herr Mozart selbst dirigierte mit zackigen Bewegungen sein Orchester aus Pfeifen, Glockenspiel, Trommeln und Pauken.

Selbst nachdem in den 60’er Jahren die Jahrmarktsorgeln zunächst völlig verstummten  (siehe: Histörchen) habe ich ihren unverwechselbaren Klang wohl nie vergessen.
Gelegentliche Kontakte zur Drehorgel hielten dabei meinen Wunsch wach, irgendwann einmal selbst mit einer Drehorgel auf große Tour zu gehen. 1992 war es soweit, auf vielen Umwegen gelangte die erste Drehorgel in meine Hände. Da diese Drehorgel neben Pfeifen ein Glockenspiel, Trommel und Pauke hat, ist damit ein gewaltiges Stück meines Kindheitstraumes in Erfüllung gegangen.

 

So fing's an. Das fehlende Blech bei der Probeorgel von Karl-Heinz Hofbauer musste 1992 noch Sohn Christian ersetzen.

"Mariechen" heißt seitdem das Flaggschiff und wurde mit Hilfe meiner Freunde von den Lennestädter Zipfelmützen im Mai 1992 vom Stapel gelassen. Ob bei der Taufe meine gleichnamige Ehefrau oder aber die weinend im Garten sitzende Protagonistin der Mutter aller Moritaten Pate stand, bleibt mein Geheimnis. "Mariechen" ist eine volltönende Straßenorgel aus dem Haus des Drehorgelbauers Karl Heinz Hofbauer in Göttingen.

Der Meister selbst bezeichnete die "38er Harmonipan" als "Musikkapelle auf Rädern".   Mit 64 Pfeifen,  2 Registern,  Pauke, Becken, Trommel und einem zuschaltbaren Glockenspiel ausgestattet, ist dieser Leierkasten der S-Klasse gleichfalls ein Ohren- wie Augenschmaus. Die Pfeifen werden mittels Luft aus dem Blasebalg, gesteuert durch elektromagnetisch betätigte Ventile, zum Klingen gebracht.


Über 700 Titel, von der klassischen Moritat über Märsche, Volkslieder, Schlager, Rock'n Roll bis zu Kabinettstückchen der Klassik, kann  ich wahlweise bei Mariechen "auflegen". Meine besondere Liebe gilt jedoch dem Alt-Berliner Leierkastenmann und seinen Gassenhauern aus den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.  Meine erste CD heißt demnach auch folgerichtig "Orgel-Rolli singt und spielt Berliner Lieder" (s. CD-Orgelrolli)". 


Oben: Mein "Drehorgelbaby", eine Notenbandorgel mit 20 Tonstufen aus der Werkstatt von Drehorgelbaumeister Axel Stüber in Berlin. Diese tragbare Orgel eignet sich besonders als Begleitinstrument für Moritaten und Couplets.


Unten: Meine "Drehorgeloma":

"Die kleine Böhmerwälderin", eine Walzenorgel mit 20 Tonstufen aus der Werkstatt des Drehhorgelbauers E.Tautermann aus Zerbst bei Magdeburg befindet sich inzwischen in der sehenswerten privaten Drehorgelsammlung des Drehorgelfreundes Klaus Weber in Garbsen bei Hannover