Musik verbindet und schafft Brücken


Die Geschichte der Drehorgel und Geschichten zur Drehorgel

So wie die Geschichte der einfachen Volksschichten ohnehin nur sehr lückenhaft vorliegt, so ergeht es auch den Musik-instrumenten der Straße, unter anderen der Drehorgel als dem sicher bekanntesten mechanischen Musikinstrument.

Um 1700 erscheinen in der Literatur die ersten "Drehe-orgeln", die mit denen heutiger Bauart zu vergleichen sind.

Briefmarke "200 Jahre Orgelbau Berlin"

Direkter Vorgänger der Musikorgel war sicherlich die Vogelorgel oder Serinette (franz.=Zeisig) mit nur wenigen Tönen. Für Adel und Großbürgertum wurden diese kleinen Pfeifenwerke mit Stiftwalzen gebaut um den Käfigvögeln das Singen bei zu bringen. Da es, insbeondere für Mädchen und Damen, als unschicklich galt, die Lippen zu spitzen und zu flöten ("Mädchen die flöten und Hähnen die krähen sollt man beizeiten die Hälse umdrehen") wurden den Käfigvögeln einfache Tonfolgen immer wieder auf der Serinette vorgespielt bis die gelehrigen Vögel die Melodien nachpfiffen.

 

Damit war das Prinzip bekannt und unermüdliche  Tüftler haben Tonstufenumfang, Menge und Qualität der Pfeifen, die Walze als Speicherinstument und das Balgsystem zur Produktion der nötigen Spielluft genial weiterentwickelt.


Tausende von Stiften (kurzer Ton) und Brücken (langer Ton) mussten fleissige Handwerker nach exakt vorge-zeichneten Plänen auf die Weichholzwalzen "pinnen", damit später entsprechende Musikstücke präsentiert werden konnten. Die Walze der Drehorgel (Walzenorgel) ist wohl der älteste Datenspeicher in der Mechanik.

  Walzenorgel

Nach der Entwicklung von Lochstreifenprogrammen, z.B. für Webstühle ("Weberaufstand"), fand diese nächste Entwicklungsstufe des Datenspeichers auch Verwendung in der Drehorgel (Notenbandorgel).

Von daher verwundert es nicht, dass auch die Entwicklung des elektronischen Datenspeichers Eingang in die Steuerung der Drehorgel gefunden hat (Elektronikorgel). Allen Systemen gleich ist jedoch die originale Erzeugung der Töne mittels Luft und Orgelpfeifen.


Aber zurück zur Walzenorgel. Schon bald tauchten zunächst in Englands Kirchen erste Walzenorgeln(Barrel Organ)auf. Durch den "eingesparten Organisten" liess sich sicherlich zunächst einmal Geld sparen, Augen- oder besser Ohren-zeugen berichten jedoch auch davon, dass sich die Qualität der Kirchenmusik positiv veränderte da nicht jeder Organist den Anforderungen genügte.

Der Begriff Drehorgel taucht eigentlich erst ab 1800 auf.  Im norddeutschen Sprachraum, vor allem in Berlin, hält sich bis heute der Begriff "Leierkasten". In Östereich nennt man, speziell in Wien, die Drehorgen "Werkl" als liebevolle Verniedlichung des Begriffs Orgelwerk.

Zweifellos hat es erste mechanische Musikinstrumente verschiedenster Bauart auch bereits vor 1700 gegeben. Der Universalgelehrte und Jesuitenpater Athanasius Kircher hat mechanische Musikinstrumente gesammelt und beschrieben. Über seine Sammlung hat ein Mitbruder nach seinem Tod einen Katalog verfasst. Dabei beschreibt er eine Walzenorgel mit 24 Pfeifen, deren Walze mit 12 Liedern bestiftet war und mit der Hand gedreht wurde. In Beschreibungen aus dieser Zeit tauchen Begriffe auf wie Organo Tedesco oder Orgue dAllemagne.  Diese Begriffe nähren die Vermutung, dass die Drehorgel ursprünglich aus Deutschland kam in Frankreich und Italien weiterentwickelt und verfeinert wurde und besonders von Italien aus ihre Verbreitung fand.

Aus Modena/Italien ist der Name Giovanni Barbari überliefert, der um 1700 Drehorgeln gebaut haben soll. Irrtümlich wurde der Name dieses Tüftlers zur Erklärung des heute noch in Frankreich gebräuchlichen Namens Orgue de Barbarie herangezogen. Vermutlich deutet jedoch auch dieser Name darauf hin, dass erste Drehorgeln aus Deutschland kamen da es in Frankreich zur damaligen Zeit üblich war, den Begriff "Barbarie" für alle Dinge zu verwenden, die aus der Fremde (Barbarei) kamen.

Der erste aus Deutschland überlieferte Name eines Drehorgelbauers , Daniel Silbermann, gehörte zur Familie des berümten (Kirchen)Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann. Bereits 1758 wird er mit einer "Drehe-Orgel" in Verbindung gebracht.

Obwohl auch berühmte Komponisten, z.B. Hayden, Mozart und vor allem Carl Phillip Emanuel Bach spezielle Kompositionen für die Drehorgel schrieben, blieb sie bis heute ein Kind der Straße.

Die Savoyaden                                                                  als wandernde Gaukler in ganz Europa unterwegs,


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